Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Haßloch

 

 

Das Verzeichnis der Juden in der Kurpfalz von 1548 und 1550 weist keine jüdischen Familien in Haßloch aus. Der erste mir bekannte amtliche Beleg stammt aus dem Jahre 1722. Als 1722 die Konzession für die Landjudenschaft erneuert werden musste, ließ Kurfürst Karl Philipp eine „Spezifikation der in der Kurpfalz sich damals aufhaltenden jüdischen Familien“ aufstellen. Danach lebten 1722 in Haßloch drei jüdische Familien: Josel, Löw und Samuel. Bei der Er-neuerung der Konzession im Jahre 1744 durch Kurfürst Karl Theodor werden schon neun Familien genannt: Jessel, Jessel Beer, Schmul, Schammay, Abraham Schmuel, Wolf Löw, Jones, Simon Jossel und Juda.

 Für die Folgezeit gibt es Angaben aus dem Gemeindearchiv:

Im Jahre 1768 zählt Haßloch 1807 Einwohner, davon sind 33 Juden. Im Jahre 1769 zählt Haßloch 1868 Einwohner, davon 32 Juden und im Jahre 1783 gab es 2572 Einwohner, davon waren 44 Juden.

 Die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts zeigen in Haßloch – man kann dies auch in anderen Landgemeinden beobachten – einen deutlichen Anstieg des jüdischen Bevölkerungsteils (vgl. oben das Diagramm: Juden in Haßloch, Geinsheim, Iggelheim und Böhl von 1802 bis 1940). Dies ist eine Folge der Judenemanzipation, die durch die Französische Revolution 1789 eingeleitet wurde. Den Juden werden Bürgerrechte eingeräumt, ebenso Gewerbefreiheit und Freizügigkeit. Schutzgeld und Konzession waren nicht mehr nötig, Aufenthalts- und Heiratsbeschränkungen entfielen. Allerdings hat Napoleon diese zum Teil wieder eingeschränkt („Decret infâme“ vom 17. März 1808).

 Durch Zuzug stieg die Zahl der jüdischen Einwohner bis in die 60er Jahre ständig an und erreichte 1862 einen Höchststand bei 128 jüdischen Einwohnern. Der kontinuierliche, leichte Rückgang der jüdischen Einwohnerschaft in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigt sozusagen die zweite Phase der Emanzipationsbewegung. Das „Decret infâme“ wird 1852 aufgehoben. Die Folgegeneration zieht vom Land in die Stadt und ergreift aufgrund besserer Ausbildung bürgerliche Berufe. Aus Haßloch zieht z. B. die Familie Bohrmann nach Speyer, August Levi nach Ludwigshafen, Richard Levi als Chemiker nach Hamburg.

 Nach dem 1. Weltkrieg nimmt die jüdische Bevölkerung Haßlochs weiter ab. 1922 zählt man 75, 1925 noch 65 Einwohner. Das Ende der jüdischen Gemeinde bringt die Nazizeit. Die Pressionen der Judenpolitik der Hitler-Regierung führen in den 30er Jahren zu einer Auswanderungswelle. Nach der Reichspogromnacht 1938 müssen die noch verbliebenen jüdischen Einwohner – mit drei Ausnahmen – Haßloch verlassen. Sie suchen Zuflucht bei Verwandten in Wiesbaden oder sonst wo und von da aus ihr Heil in der Emigration. Die letzten drei jüdischen Einwohner Haßlochs (Rosel Gebhardt, Isidor und Johanna Hene) werden am 22. Oktober 1940 abgeholt und im Rahmen der Bürckelaktion – Gauleiter Josef Bürckel wollte seinen Gau „judenfrei“ machen - mit allen anderen noch verbliebenen pfälzischen und badischen Juden nach Gurs in den Pyrenäen gebracht. Haßloch ist danach wie der ganze Westgau „judenfrei“.

(Text und Diagramm aus: Johannes Theisohn, Geschichte der jüdischen Gemeinde von Hassloch. In: Jüdisches Leben in Hassloch (2008), S. 12f)